Schacht Marie

Die Gemeinde Beendorf hat die o.g. Fördermittel erhalten. Die Ausschreibung für die Machbarkeitsstudie ist erfolgt. Mit den jetzt bewilligten Mitteln ist noch keine Haldensanierung verbunden. Diese Frage stellt sich erst, wenn die Ergebnisse vorliegen.

Aus dem LEADER-Fonds EFRE (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung) wurden nunmehr 58.950,00 € für eine Machbarkeitsstudie zur Sanierung der Rückstandshalde des Schachtes Marie in Beendorf bereitgestellt. Die Investitionsbank Sachsen-Anhalt hat der Gemeinde den entsprechenden Zuwendungsbescheid übersandt. Durch die Verbandsgemeinde Flechtingen wird in Kürze die Ausschreibung für die Studie erfolgen. Es geht dabei lediglich um Planungsleistungen, die Varianten und Kosten darstellen sollen, wie eine Sanierung der Halde erfolgen könnte. Folgende Teilschritte sind vorgesehen:

  • Zusammenfassung des Kenntnisstandes zum Aufbau der Halde und deren Zusammensetzung sowie Darstellung der Belastung für Umwelt (Boden und Gewässer)
  • Beschreibung von Varianten zur Beseitigung der Halde (z.B. Abtrag der Halde und Verbringung in eine Deponie) und zur Verringerung des Schadstoffeintrags in die Umwelt
  • Beschreibung von Varianten zur Renaturierung (z.B. Beschichtung und Begrünung der Halde) und zur Verringerung des Schadstoffeintrags in die Umwelt
  • Erarbeitung einer Kostenschätzung für die einzelnen Varianten
  • Kosten-Nutzenanalyse

Ob und wann eine Haldensanierung tatsächlich stattfindet, ist offen und nicht das Thema des Projektes.

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Schacht Marie um 1910
Die Schachtanlage heute

Zur Geschichte vom Schacht Marie

Der Magdeburger Kaufmann und Unternehmer Gerhard Korte gilt als Begründer des Kali- und Steinsalzbergbaus im Oberen Allertal. Für den Standort des ersten Schachtes wählte man Beendorf aus. Ein Jahr später begannen die Teufarbeiten. Sie konnten im Sommer 1898 abgeschlossen werden. Noch im selben Jahr erfolgte die feierliche Schachtteufe auf den Namen Marie, der Gattin des Unternehmers Gerhard Korte.

Nördlich und südlich von Beendorf entstanden weitere Bergwerksanlagen. Zur Blütezeit des Kali- und Steinsalzbergbaus, kurz vor dem 1. Weltkrieg, waren mehr als 6500 Menschen in den Bergwerken des Oberen Allertals tätig. Vom Bergbau profitierten auch viele Nebengewerke, Handwerksbetriebe, Bauwesen, Maschinenbau, Handel und Gewerbe und manche Fuhrunternehmen.

Das gesellschaftliche Leben, welches bisher durch die Landwirtschaft und den Ablauf der Jahreszeiten geprägt war, veränderte sich grundlegend. In wenigen Jahren wurde aus einem reinen Agrardorf, eine Industriegemeinde. Die nahegelegenen Helmstedter Kohlereviere ermöglichten den Betreib leistungsstarker Dampfmaschinen. Das Unternehmen expandierte und brachte einen gewissen Wohlstand in breite Schichten der Bevölkerung. Im Bergbau stand man ganzjährig unter Lohn und Brot. Zuzug aus weiten Teilen Deutschlands war zu verzeichnen.

Der Ort Beendorf vergrößerte sich von 1895 mit 350 Einwohnern bis 1910 auf 1500 Einwohner. Umfangreiches Bauwesen setze ein. Rundahlsweg und Papenweg stehen beispielgebend für den bedarfsgerechten Wohnungsbau. Es entstanden Arbeiter- und Beamtenhäuser. Am Schacht Marie prägten für die damalige Zeit, gewaltige Industrieanlagen das Bild. Eine chemische Fabrik und eine eigene Ziegelbrennerei wurden errichtet. Neben dem Wohnungsbau erhielt Beendorf eine neue Schule, ein Rathaus und sogar eine Sporthalle

Durch die Auswirkungen des 1. Weltkrieges kam der Kalibergbau in eine schwere Krise. Viele Schächte mussten schließen. So traf es auch den Schacht Marie, der seinen Förderbetrieb 1923 einstellen musste. Die chemische Fabrik konnte noch eine Zeit lang aus anderen Anlagen bedient werden. Ihre Stilllegung erfolgte 1927.

Ab 1937 übernahm das Reichsministerium der Luftwaffe die Schachtanlage Marie zur Herstellung und Lagerung von Munition und beschäftigte Ende 1937 über Tage 450 Arbeitskräfte. Darunter befanden sich auch KZ-Häftlinge aus Buchenwald. Neben der Munition für die Luftwaffe wurden in Beendorf und Morsleben dann ab August 1944 elektromechanische Teile für Luftwaffe und Marine unterirdisch durch KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter produziert. Vor der Räumung des Lagers waren hier 1350 Männer und über 3000 Frauen, die aus Polen, Frankreich, Belgien, Deutschland, Ungarn, Rumänien, den Niederlanden, Jugoslawien, Griechenland, der Tschechoslowakei und Sowjetunion stammten.

Von 1946 bis 1952 wurde auf Schacht Marie noch einmal Hartsalz gefördert. Ein Hähnchenmast-Betrieb fand von 1959 bis 1984 unter Tage statt. Über Tage lief dazu der Schlachtbetrieb bis 1990. Im Jahr 1987 übernahm das Endlager für radioaktive Abfälle Morsleben den Schacht Marie. Von 1987 an mussten hier auf Geheiß der DDR-Regierung zyanidhaltige Härtereialtsalze eingelagert werden, die 1996 wieder aus der Grube entfernt wurden. Das vorläufig letzte Kapitel bildete die Einlagerung von Teufhaufwerk aus den Schächten Gorleben. Jetzt dient der Schacht Marie noch als Flucht- und Wetterschacht für das Endlager Morsleben, was aus bergrechtlichen Gründen vorgeschrieben ist.

Volks- und Bergmannsfest „125 Jahre Schacht Marie“

Das Volks- und Bergmannsfest aus Anlass des 125. Jubiläums der Inbetriebnahme des Schachtes Marie in Beendorf fand am Wochenende vom Freitag, dem 30. September bis Sonntag, dem 2. Oktober statt. Es hatten die Gemeinde Beendorf, die Bundesgesellschaft für Endlagerung und der Knappenverein „Oberes Allertal“ eingeladen. Am Freitag gab es einen festlichen Kommers in der ehemaligen Aula des Grundschulgebäudes, dem früheren Verwaltungsgebäude des Burbach-Konzerns, mit einem Vortrag des Werksleiter des Endlagers Morsleben und der Vorstellung der mit großem Aufwand erstellten Festschrift, des 12. Beendorfer Heftes, mit dem Titel „125 Jahre Schacht Marie“ durch Claus Hansper und Burkhard Dube.

Am Samstag fanden Befahrungen des Schachtes Marie statt. Außerdem war die KZ-Gedenkstätte im Untergeschoss des ehemaligen Verwaltungsgebäudes geöffnet. Außerdem wurden nochmals Vorträge des Werksleiter des Endlagers Morsleben zum Schacht Marie und von Claus Hansper und Burkhard Dube zur Festschrift, des 12. Beendorfer Heftes mit dem Titel „125 Jahre Schacht Marie“, gehalten. Am Nachmittag verlagerte sich das Geschehen in die Beendorfer Dorfmitte. Im Festzelt hinter dem Rathaus trat der Shanty-Chor Helmstedt bei Kaffee und Kuchen auf. Abends konnte bei Livemusik das Tanzbein geschwungen werden. Zu später Stunde fand dann noch ein grandioses Feuerwerk statt.

Der Sonntag begann um 10 Uhr mit einem Festumzug vom Schacht Marie durch Beendorf zum Gemeindesaal in der Begegnungsstätte Allertal. Dort gab es das traditionelle Schlachtefrühstück, das in Beendorf seit vielen Jahren Anfang Oktober zu unterschiedlichen Anlässen veranstaltet wird. Dieses Jahr war das Frühstück in die Schacht-Marie-Feierlichkeiten integriert.